Zusammengenommen stellen die vier Studien eine feine Sammlung empirischer Forschungen zu verschiedenen Facetten der Arbeitsbeziehungen und deren Ergebnisse auf modernen Arbeitsmärkten dar. Unserer Meinung nach wird eine der größten Herausforderungen für Tarifverhandlungen und Arbeitnehmervertretung darin bestehen, in einer sich rasch wandelnden Arbeitswelt relevant zu bleiben (siehe auch OECD 2017). Im Nachkriegs- und Vereinigten Deutschland haben Gewerkschaften, Arbeitgeber und Regierung es recht erfolgreich gemacht, “den Laden zusammenzuhalten” (Silvia 2013). Die Tatsache, dass es keine offensichtliche und eindeutig überlegene Alternative zum derzeitigen System der Arbeits- und Arbeitsbeziehungen gibt, reicht jedoch möglicherweise nicht aus, um das Überleben des gegenwärtigen Systems zu gewährleisten. Ein von einer Gewerkschaft ausgehandelter Tarifvertrag gibt Ihnen Leistungen, die dem Arbeitsvertragsgesetz weit überlegen sind. Tarifverträge müssen in einer nationalen Datenbank registriert werden, wenn auch nicht alle, da einige Unternehmen zögern, die Informationen zur Verfügung zu stellen. Im Dezember 2018 gab es 631 aktuelle Vereinbarungen über die Datenbank des Sozialministeriums, davon 19 im Jahr 2017. [1] Diese Zahl sollte jedoch mit Vorsicht behandelt werden, da nicht klar ist, wie weit die Datenbank auf dem neuesten Stand gehalten wird. Vor diesem Hintergrund analysieren zwei der vier Arbeiten in dieser Ausgabe die Prävalenz formaler Institutionen der Arbeitsbeziehungen – d. h. Tarifverhandlungen und Mitbestimmung der Arbeitnehmer – und die Gründe für ihren Niedergang. Da die Literatur in der Regel dem Betriebsrat positive Auswirkungen auf die Produktivität und die mäßigenden Auswirkungen auf die Lohnungleichheit dem Vorhandensein von Tarifverhandlungen zuweist, können beide Papiere nützliche Ausgangspunkte für Debatten über die institutionellen Wurzeln der Produktivitätsverlangsamung und der steigenden Lohnungleichheit sein. Die beiden anderen Papiere nehmen eine deutsche und eine europäische Perspektive auf die Frage, ob diese Institutionen tatsächlich das Klima der Arbeitsbeziehungen verbessern – ein Aspekt, der es wert ist, an sich selbst analysiert zu werden, aber auch, weil er die theoretische Grundlage für die Erklärung positiver wirtschaftlicher Effekte von Gewerkschaften und Betriebsräten bildet.

Rund ein Drittel der Beschäftigten ist in Estland von Tarifverhandlungen betroffen, und die bei weitem wichtigste Ebene für Tarifverhandlungen ist das Unternehmen oder die Organisation, wobei die Gewerkschaften mit einzelnen Arbeitgebern verhandeln. Der Mindestlohn wird jedoch nach Verhandlungen zwischen den Gewerkschaftsverbänden und den Arbeitgebern auf nationaler Ebene festgelegt.